10 Punkte, warum wir gegen Windräder am Damberg-Braschenberg-Schwarzberg sind

1. Zerstörung des Naherholungsgebietes und wertvollen Naturraumes Damberg-Braschenberg-Schwarzberg

Foto Rieß: Die Dambergwarte erfreut schon über hundert Jahre die Bevölkerung
Foto Rieß: Die Dambergwarte erfreut schon über hundert Jahre die Bevölkerung

 

Damberg, Braschenberg und Schwarzberg sind ein stark frequentiertes Naherholungsgebiet für über 50.000 Menschen aus der Nahregion, welches nicht durch eine ca. 8 Kilometer lange Industrieanlage zerstört werden darf.

 

Aussichtsreiche Wanderwege führen vom Windloch bis zum Schwarzberg oft direkt am Kamm entlang und bieten wunderschöne Ausblicke hinunter nach Steyr, in die Donauebene, ins Mühl- und Waldviertel, ins angrenzende Mostviertel und zur Kaiserin-Elisabeth-Warte in Kürnberg; Richtung Süden in das Nationalpark Kalkalpengebiet mit Reichraminger Hintergebirge, Sengsengebirge und zumToten Gebirge. Nun befürchten wir, sollte es gelingen, dieses Projekt durchzubringen, dass auch die Wanderwege zerstört werden. Und wer will schon unter dröhnenden Industriemonstern seine Freizeit verbringen, mit der Ruhe und Idylle ist es dann definitiv vorbei!

 

Foto Schörkhuber: Der Hausberg der Steyrer ist ein beliebtes Wander- und Naherholungsgebiet
Foto Schörkhuber: Der Hausberg der Steyrer ist ein beliebtes Wander- und Naherholungsgebiet
Foto Mitteregger: Es besteht Lebensgefahr durch Eisabwurf im Winter
Foto Mitteregger: Es besteht Lebensgefahr durch Eisabwurf im Winter

   

  

     a.     Zerstörung der Wanderwege

Diese Wege und Plätze werden durch die neuen Betriebstraßen bzw. durch die Windradstandorte weitgehend zerstört, denn die Windräder stehen teilweise direkt auf oder knapp neben den bestehenden Wegen.

 

In Munderfing (Innviertel) wurde den Betreibern eine Absperrung mit einem Radius von 260 m um jedes Windrad zwingend vorgeschrieben, um die Verletzungsgefahr durch Eisschlag während der kalten Jahreszeit einzuschränken. Dies bedeutet in unserem Fall, dass man die Wanderwege weiträumig in die Bergflanken verlegen muss.

 

Das bedeutet den Verlust der bisherigen Wanderwege!

 

Bedeutenden Weitwanderwege führen ebenfalls durch das Gebiet - der Voralpenweg und der Mariazeller Weg.

 

Der internationale Wanderweg 04 "Voralpenweg" führt auf über 1.000 Kilometern von Wien nach Bregenz und ist ein Teilstück des europäischen Fernwanderweges E4. Dieser beginnt im südwestlichen Portugal und führt über die iberische Halbinsel, die Pyrenäen in die Alpen. Dort führt der Weg der Schweiz entlang bis zum Bodensee und schwenkt später südöstliche Richtung ein, um bis nach Kreta zu führen. Geplant ist, dass dieser Weg noch bis Zypern verlängert wird.

 

Der österreichische Weitwanderweg Nr. 06 führt auch durch unser Naherholungsgebiet und ist eigentlich ein Pilgerweg 06 .  Er bietet den Wanderern die Möglichkeit, Mariazell in der Steiermark für die Wallfahrt zu erreichen. Dabei erfüllt er aber zufälligerweise eine zweite Funktion, denn er verbindet einige Landeshauptstädte miteinander - nämlich Wien, St. Pölten, Linz, Klagenfurt, Graz und auch Eisenstadt.

  

 

b.     Straßenbau (Zuwegung):

Zum Bau und den Betrieb (Wartung etc.) wird eine neue befestigte Straße mit mindestens 3,5 m Breite und 8 km Gesamtlänge benötigt. Die Straßen müssen für Schwertransporte ausgebaut oder neu errichtet werden, das bedeutet Aufschüttungen von einem halben bis dreiviertel Meter, aber auch Abtragungen an den Kurvenböschungen, um die klobigen Teile um die Kurven transportieren zu können - die Auswirkungen für den sensiblen Waldboden wären enorm! 

So ist u.a. ein 800-Tonnen-Kran notwendig, dieses Fahrzeug hat tatsächlich dieses schier unvorstellbare Eigengewicht, aber es ist notwendig durch die gewaltige Auslegerlänge, welche wiederum durch die Turmhöhe bedingt ist. Es gehört zu den größten Anlagen in Österreich.

 

Ebenso ist ein Ausbau bestehender Forststraßen in den Bereichen Schoiber, Dambachtal und Kleiner Kollergraben zwingend notwendig. Naturgemäß sind die betroffen engen Zufahrtsstraßen (Gemeinde- und Landstraßen) teilweise anzugleichen bzw. durch den zu erwartenden Schwerverkehr einer extremen Zusatzbelastung ausgesetzt und werden entsprechend verschleißen.

 

 

c.     Anbindung an das Stromnetz

Die Anbindung aus entlegenen Gebieten an das bestehende öffentliche Stromnetz ist mit großem Aufwand verbunden. Entweder werden Überlandleitungen mit ca. 60 Meter hohen Hochspannungsmasten errichtet oder es werden Erdkabel verlegt. Die unterirdische Variante ist allerdings derzeit keine Alternative, denn die Technik ist noch nicht ausgereift. Die Kabel erhitzen sich im Betrieb, das trocknet den Boden aus. Eine Verkarstung der näheren Umgebung kann die Folge sein. Um die eingegrabenen Kabel nicht zu gefährden, erfordert eine unterirdische Stromtrasse einen 25 Meter breiten Korridor, auf dem kein Baum und keine tiefwurzelnde Pflanze wachsen dürfen. Das bedeutet, dass ein Erdkabel die Landschaft zerteilt, ähnlich wie eine Autobahn.

 

Zudem müssen in kurzen Abständen Wartungsschächte gebaut werden. Denn das Kabel besteht aus Einzelstücken, jedes 700 bis 900 Meter lang. Längere Leitungsteile sind nicht transportfähig. Die Abschnitte werden dann miteinander verbunden, sind aber störanfällig. Wartung und Reparatur erfordern hohen Aufwand. Das alles macht ein Erdkabel im Gebirge bis zu zwölf Mal teurer wie eine Freileitung.[1]

 

d.     Eiswurf

Im Winter sind das Naherholungsgebiet und die beliebten Wanderwege durch Eisabwurf gefährdet und bei entsprechenden Temperaturverhältnissen durch die Eisbildung nicht mehr nutzbar. Bei Betreten besteht sogar Lebensgefahr.

 

Die Auskunft des Projektwerbers auf die Äußerung unserer Bedenken wurden mit dem folgenden Hinweis abgeschmettert: "Alles Schmarrn!"

 

Das verträgt sich allerdings nicht mit den behördlichen Auflagen der Windkraftanlagen in Munderfing (Innviertel), wo den Betreibern eine Abgrenzung im Bereich von 260 Metern rund um jede WKA zwingend vorgeschrieben wurde.



[1] http://www.3sat.de/page/?source=/ard/wissenaktuell/165055/index.html

 

 

Foto Fenzl: Der Handymast am Foto wurde mit einem Metallzaun abgesichert und mit einer großen Warntafel versehen. Sie sehen: Eisabwurf funktioniert auch ohne Rotorblätter, nur dass die Geschoße nicht in weitem Umkreis verteilt werden.

 

Zur Vergrößerung einfach in das Bild klicken.  

 

Foto Kapfer: Das Naherholungsgebiet am Höhenrücken Damberg-Braschenberg-Schwarzberg würde durch die massiven Eingriffe unweigerlich zerstört werden
Foto Kapfer: Das Naherholungsgebiet am Höhenrücken Damberg-Braschenberg-Schwarzberg würde durch die massiven Eingriffe unweigerlich zerstört werden

 

„Diejenigen, welche die Schönheit der Alpen verteidigen, stehen auf der progressiven Seite. Denn sie veranlassen die Gesellschaft dazu, einen technischen und zivilisatorischen Fortschritt voranzutreiben, der auch für unsere Urenkel noch funktioniert. Von dem was die heutigen Modernisten vertreten, weiß man heute schon, dass das für die Zukunft unserer Urenkel vollkommen unbrauchbar ist, weil es nur um kurzfristige Sofortgewinne und Eintagsfliegen geht…  die Zukunft gehört den Langfristigen und nicht den Kurzfristigen.“

 

(Ernst Ulrich von Weizsäcker bei seinem  Vortrag anlässlich der Hauptversammlung des Österreichischen Alpenvereins,

15. 10. 2011)

 

 

Zentrales Thema bei der Energiewende ist "nicht der weitere Ausbau der Erneuerbaren, sondern vor allem eine tiefgreifende Änderung unseres Konsumverhaltens und ein Ende der Energieverschwendung. Um eine naturverträgliche Energiewende herbeizufürhen, muss der Energiebedarf halbiert werden. Gelingt die Energiewende bezüglich des Energiekonsums nicht, wird auch der vollständige Raubbau an unseren letzten Naturjuwelen unsere Energieversorgung nicht sichern."

 

(facten.lage 2/2012, UWD)

 

 

„Eine brutalere Zerstörung der Landschaft, als sie mit Windrädern zu spicken und zu verriegeln, hat zuvor keine Phase der Industrialisierung verursacht … Eine schonungslosere Ausbeute lässt sich kaum denken, sie vernichtet nicht nur Lebens-, sondern auch tief reichende Erinnerungsräume.“

 

So formulierte es Botho Strauß, der deutsche Dichter und Dramatiker  – und er weiß, wovon er spricht; schreitet doch in Deutschland die ästhetische Landschaftszerstörung in einem unvorstellbaren Ausmaß voran, die auf eine Entwertung der alltäglichen Lebenswelt der großen Mehrzahl der Bevölkerung hinausläuft. In Dohmen/Hornig (2004): Die große Luftnummer. In: Der Spiegel, Nr. 14 vom 29.03.2004, S. 80 - 97

 

 

Die politische Absicht, regenerative Energien stärker zu fördern, führt dazu, dass "die Grundsatznorm des Naturschutzes, nämlich Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie den Erholungswert der Landschaft als Lebensgrundlage des Menschen und in Verantwortung für die künftigen Generationen zu sichern, bedingungslos geopfert werden."

 

Nohl, Werner (2010): Ist das Landschaftsbild messbar und bewertbar? - Bestandsaufnahme und Ausblick